Pädagogisches Konzept

1. Allgemeine Informationen

1.1. Kinderbetreuung in familiärer Atmosphäre

Die Kindergruppe Panama e.V. bietet für Kinder im Krippenalter eine ganztägige Betreuungsmöglichkeit in einer kleinen Gruppe. Die Kinder erhalten bei Panama eine liebevolle und altersgerechte Förderung in familiärer Atmosphäre und werden von Beginn an optimal auf den Kindergarten vorbereitet. Panama sieht sich als familien- ergänzende Einrichtung, die über den Betreuungsaspekt hinaus das Ziel verfolgt, den Kindern Bildung, Erziehung und wesentliche Basiskompetenzen zu vermitteln. Gegründet wurde die Kindergruppe Panama e.V. im September 1986 als eine der ersten Münchner Elterninitiativen. Sie wird seither von der Stadt München, Referat für Bildung und Sport, und seit 2015 vom Freistaat Bayern gefördert. Träger der Initiative ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, der durch den Vorstand aus den Reihen der Elternschaft vertreten wird. Seit 2019 bietet die Kindergruppe Panama außerdem einen Inklusionsplatz.

1.2. Struktur der Gruppe

Bei Panama werden derzeit 13 Mädchen und Jungen im Alter von 1 bis 3 Jahren ganztägig in einer Gruppe betreut. Davon belegt ein Kind den angebotenen Integrationsplatz.

Aufgrund unserer Lage im Münchener Südwesten stammen die bei uns betreuten Kinder vor allem aus den unmittelbar angrenzenden Stadtteilen Sendling, Thalkirchen, Giesing, Solln/Forstenried und Hadern. Es sind jedoch auch Kinder aus anderen Teilen des Münchener Stadtgebietes jederzeit herzlich willkommen.

In unserem Team sind eine pädagogische Leitung (Erzieherin in Vollzeit), eine Erzieherin in Teilzeit (drei Tage/Woche) und zwei Kinderpflegerinnen in Vollzeit beschäftigt. Eine Kinderpflegerin besucht momentan die berufsbegleitende Weiterbildung zur „Pädagogischen Fachkraft“ und wird ab Mai 2020 als solche in Vollzeit eingesetzt. Seit September 2011 wird die Gruppe zusätzlich von einer/m Praktikantin/en des Sozialpädagogischen Seminars (1. Jahr Kinderpflege- bzw. Erzieherausbildung) oder von Absolventen des „Freiwilligen Sozialen Jahres“ ergänzt.

In diesem Jahr bilden wir eine Praktikantin im Anerkennungsjahr aus (4./5. Jahr der Erzieherausbildung).

Erfreulicherweise können wir bei der personellen Besetzung der Kindergruppe Panama e.V. seit längerem eine hohe Kontinuität aufweisen, was insbesondere Kindern im Krippenalter das wichtige Gefühl von Sicherheit und Verlässlichkeit vermittelt.

1.3. Öffnungs- und Schließzeiten

Die Öffnungszeiten sind:

Montag – Donnerstag:   7.45 Uhr – 17.00 Uhr

Freitag:                            7.45 Uhr – 16.00 Uhr

Die Kinder sollten bis spätestens 8.50 Uhr gebracht werden, damit sie am gemeinsamen Frühstück teilnehmen können. Nach dem Mittagsschlaf und der Nachmittagsbrotzeit können die Kinder zwischen 16.00 und 16.45 Uhr abgeholt werden. Die tägliche Kernzeit von 9.00 – 16.00 Uhr sollte eingehalten werden. In Ausnahmefällen (Eingewöhnungszeit, Arztbesuch) kann das Kind nach Absprache zu anderen Zeiten geholt werden.

Die Kindergruppe ist an max. 30 Arbeitstagen geschlossen, wobei diese Schließzeiten i.d.R. in den Zeitraum der bayerischen Schulferien fallen. Zusätzliche flexible Schließtage (z. B. Brückentage) können bei Bedarf ebenfalls vereinbart werden.

1.4. Buchungszeiten und Elternbeiträge

Je nach täglicher Betreuungsdauer des Kindes ergeben sich verschiedene Elternbeiträge pro Monat. Da unsere Kernzeit zwischen 09.00 und 13.00 Uhr liegt, ist eine Betreuungsdauer unter 4 Stunden nicht möglich.

Tägliche Betreuungsdauer               Höhe des Elternbeitrags

4 bis 5 Std.                                                  78 EUR

5 bis 6 Std.                                                  94 EUR

6 bis 7 Std.                                                   111 EUR

7 bis 8 Std.                                                   128 EUR

8 bis 9 Std.                                                   145 EUR

Stand: September 2019 lt. Elterngeldtabelle des EKI-Plus-Modells für Münchner Kinder.

1.5. Räumlichkeiten

Den Kindern stehen ein großer Gruppenraum, ein Schlaf- und Bewegungsraum, ein Bastelraum, eine Gemeinschaftsküche sowie ein Bad mit Kindertoilette und Wickelmöglichkeit zur Verfügung. Über den Gruppenraum haben wir Zugang zu einer öffentlichen – zu der Wohnanlage gehörigen – Grünanlage mit einem kleinen

Sandspielbereich, die für alle im Freien stattfindenden Aktivitäten genutzt werden kann.

Einige Räume werden in Abstimmung auch von der Paritätischen Familienbildungsstätte sowie vom Münchner Schwerhörigen Verein (mit)genutzt.

1.6. Tagesablauf

In der Zeit von 7:45 Uhr bis 9:00 Uhr sind die Kinder im Freispiel beschäftigt. Um

9.00 Uhr findet das gemeinsame Frühstück statt. Dazu holen die Kinder das Frühstücksgeschirr aus dem Schrank und sitzen alle an einem großen Tisch. Im Anschluss daran geht es zum Händewaschen. Das Freispiel findet im Anschluss daran im Garten oder im Innenbereich statt. Es werden verschiedene Aktivitäten angeboten: Singen, Musizieren, Turnen, Basteln, Malen, Spiele, Spielplatzbesuche.

Gegen 11.30 Uhr werden die Kinder gewickelt, danach wird um 12.00 Uhr gemeinsam zu Mittag gegessen. Hierbei sind die Kinder auf zwei Tischgruppen verteilt, die älteren Kinder dürfen sich selbständig das Essen auftun und ihr Getränk eingießen.

Zwischen 12.45 und 14.45 Uhr ist Mittagsruhe. Für die kleinsten Kinder gibt es einen separaten Raum, in dem sie in Reisebetten zum Schlafen gelegt werden. Die größeren Kinder schlafen im Bewegungsraum auf Matratzen. Nach dem Aufwachen werden die Kinder nochmals gewickelt und angezogen. Zwischen 15.00 und 15.30 Uhr gibt es den Nachmittags-Snack, bestehenden aus Obst, Zwieback oder Knäckebrot.

Anschließend ist wieder Zeit zum Spielen im Gruppenraum oder Garten, bis die Kinder abgeholt werden.

1.7. Anmeldung

Die Anmeldung für die Kindergruppe findet überwiegend online statt. Der Anmeldebogen ist auf unserer Homepage zu finden. Zwischen Januar und März findet ein „Tag der offenen Tür“ statt, zu dem alle Familien der Vormerkliste und sonstige Interessenten herzlich eingeladen sind. Der Termin wird durch Flyer, Presse und Internet bekannt gegeben. Eltern und Betreuerinnen stehen für Informationen zur Verfügung. In begründeten Ausnahmefällen kann ein Ersatztermin telefonisch vereinbart werden. Nach der Anmeldung sollten die Eltern etwa vierteljährlich von sich aus weiteres Interesse bekunden. Maßgeblich für die Vergabe der Plätze ist das Alter und Geschlecht des Kindes, damit die Gruppenstruktur möglichst heterogen ist. Weitere Kriterien für Aufnahme sind Geschwisterkinder und das Datum der Vormerkung.

Da wir nur frei werdende Plätze vergeben können hängt der Zeitpunkt der Zusage stark vom Wechsel eines Kindes in den Kindergarten ab und beginnt nach eingegangenen Kündigungen im Mai, kann sich allerdings bis September hinauszögern.

Nach Aufnahme des Kindes in die Einrichtung beginnt eine zweimonatige Probezeit, in der beide Parteien den Betreuungsplatz jederzeit kündigen können.

1.8. Elternengagement als integrativer Bestandteil

Als Initiativeinrichtung sind wir auf Eltern angewiesen, die Interesse und Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement mitbringen. Die Mitgestaltung und Mitbestimmung der Eltern findet in verschiedenen Bereichen statt:

  • Regelmäßiges Kochen nach dem Essensplan (ca. 2-3x pro Monat) nach vorheriger Hygienebelehrung

Die Kindergruppe Panama e.V. hat sich im Krippenjahr 2014/2015 einstimmig dazu entschieden alle zubereiteten Speisen und Getränke in Bio-Qualität nach offiziellem Siegel (mindestens EU-Bio Qualität) anzubieten.

Daher setzt die Kindergruppe Panama e.V. weiterhin auf die Zubereitung der Speisen durch die Eltern. Diese Vielseitigkeit der Gerichte und die mit Liebe gekochten Speisen sind bei keinem Caterer zu erhalten und ermöglichen unseren Kindern auch bei der Ernährung auf Entdeckungsreise zu gehen.

Auch folgende Aufgaben werden von Eltern übernommen:

  • Organisation des gemeinsamen Frühstücks der Kinder
  • Wäschewaschen (Bettwäsche, Lätzchen, Handtücher)
  • Elterndienst, d.h. Kinderbetreuung vor Ort bei Verhinderung der Betreuer (z.B. durch Krankheit, Fortbildung etc.); hierzu wird ein Elterndienstplan erstellt, in dem jeweils 2 Elternteile vormittags und nachmittags eingeteilt sind
  • Reinigung der Gruppenräume (ca. 4 x pro Jahr insgesamt / 1-2x im Jahr pro Elternpaar)
  • Teilnahme an Elternabenden und Mitgliederversammlungen (ca. 6x pro Jahr)

Von den Eltern werden verschiedene Ämter und Projekte im organisatorischen Gruppen  übernommen. Neben den vier Vorstandsämtern für Organisation, Personal, Finanzen und Eltern / Kind sind folgende Aufgaben in Gruppen vergeben:

Durchführung oder Organisation von Renovierungsarbeiten, Einkauf von Getränken und sonstigen notwendigen Verbrauchsgütern, IT-Management, Koordination und Vorbereitung von Ausflügen, Festen und Events, Führen des Protokolls, Wahrnehmung der sicherheitsrelevanten Belange (z.B. Arbeitnehmerschutz, Brandschutz), Organisation der Dienste, Akquirieren von Sponsoren

Aufgrund des Initiativcharakters der Kindergruppe ist die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Personal sehr intensiv. In den Teammeetings und Elternabenden werden alle aktuellen Projekte, Probleme und Unternehmungen gemeinsam besprochen und beschlossen. Dazu gehören u.a. die regelmäßige Überarbeitung der Konzeption, die Organisation unserer Feste (St. Martin, Nikolaus, Muttertag, Sommerfest) und anderer Aktivitäten (Familienausflug, Großelterntag, Tag der offenen Tür).

1.9. Elterngespräche

Die Betreuerinnen bereiten einmal jährlich, bei Bedarf auch entsprechend öfters ein Elterngespräch gemeinsam vor, in dem eine Rückmeldung zum Entwicklungsstand des Kindes gegeben wird. Inhalt des Gespräches können auch Fragen zu speziellen Themen sein. Eine Einladung zum Elterngespräch kann auch durch die Betreuerinnen erfolgen, um im angemessenen Rahmen zum Austausch zu kommen. Weiter wird auf Fragen der Eltern eingegangen. Für das Gespräch wird sich gerne eine Stunde Zeit genommen. Ein Termin wird individuell vereinbart.

1.10. Qualitätsanspruch bei Panama

Wir orientieren uns am „Bayerischen Erziehungs- und Bildungsplan“ (BEP). Dieser ist auch Voraussetzung für die Förderung durch das Sozialreferat der Landeshauptstadt München. Das Personal nimmt regelmäßig insbesondere an den von der Fachberatungsstelle KKT angebotenen Fortbildungen und Seminaren teil, wodurch es ihnen möglich wird, stets die neuesten pädagogischen Erkenntnisse in die tägliche Arbeit einfließen zu lassen. Bei Bedarf werden auch Supervisionssitzungen (einzeln sowie im Team) als Mittel der persönlichen wie auch der gemeinsamen Reflektion der täglichen Arbeit eingesetzt.

Die Vorstandsmitglieder nehmen ebenfalls regelmäßig an Informationsveranstaltungen des KKT teil, um so u.a. auch über den Kontakt und den Austausch mit anderen Initiativen den Qualitätsstandard der Elternarbeit zu sichern.

Einmal im Monat findet ein Teammeeting von Vorstand und Personal statt, das den Kommunikationsfluss zwischen Elternschaft, Vorstand und Betreuungspersonal sicherstellt. Jeden zweiten Monat findet im Anschluss daran ein Elternabend statt. Das Betreuungsteam bespricht sich einmal wöchentlich. Zwischen Vorstand und den Mitarbeitern finden mindestens einmal jährlich Mitarbeiter(einzel)gespräche statt.

Das Pädagogische Konzept der Kindergruppe wurde im Januar 2020 in Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Personal neu überarbeitet und an die im Rahmen des neuen bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans geforderten Standards sowie an die neuesten pädagogischen Erkenntnisse unter Berücksichtigung der bei Panama vorherrschenden Rahmenbedingungen angepasst.

Eine jährlich stattfindende Elternbefragung soll helfen, etwaige Kritikpunkte aufzudecken und auf diese Weise die Qualität der Einrichtung zu gewährleisten.

In besonderen Situationen wird auch auf die Unterstützung des Referats für Bildung und Sport zurückgegriffen, z.B. im Februar 2019 gab es ein Beratungsgespräch mit einer Mitarbeiterin zur Planung der Schaffung eines Integrationsplatzes.

1.11. Schutz des Kindeswohles

Für die optimale Entwicklung der Kinder ist die Gewährleistung auf psychische und physische Unversehrtheit Voraussetzung. Daraus ergibt sich für das Betreuungspersonal eine besondere Verantwortung gegenüber Kindern und Eltern. Der Umgang mit den Kindern ist geprägt durch eine achtsame und respektvolle Art aller MitarbeiterInnen (s. auch 2.2 folgende). Das Team steht im ständigen Austausch untereinander und baut so Überforderungssituationen vor. Neue MitarbeiterInnen übernehmen erst nach einer individuell angepassten Einarbeitungszeit Dienste wie Schlafwache und das Wickeln, so dass sich Kinder und Betreuer schrittweise aneinander gewöhnen. Elterndienste und Praktikanten für wenige Wochen sind von diesen Diensten ausgeschlossen. Die Eltern unterzeichnen eine Selbstauskunft zur Wahrung des Kindeswohls. Bei Spaziergängen sind mindestens zwei Personen mit dabei, um in Notfällen adäquat handlungsfähig zu sein.

1.11.1. Zusammenarbeit mit den Eltern

In Elterngesprächen und an Elternabenden klären wir die Eltern auf und wollen so durch ein offenes Miteinander Bedenken ausräumen. Inhalte diese Gespräche sind z.B.: Wer darf wickeln? Dürfen die Kinder im Sommer nackt planschen? Kindersicherung im Ausflugsbus? Dürfen die Kinder fotografiert werden, bzw. werden Fotos veröffentlicht? Persönlichkeitsschutz der Kinder.

1.11.2. Aufgaben im Team

Einmal jährlich gehen wir im Rahmen unseres Teamtages den schriftlichen Handlungsplan (s. PANAMA-Handbuch) durch um im konkreten Gefährdungsfall eines Kindes bestmöglich gewappnet zu sein. Dabei werden verschiedene Szenarien durchdacht wie z. B. Gefährdung durch Mitarbeiter oder Eltern, vermutete Entwicklungsstörung beim Kind. Es ist ebenfalls beschrieben wann Vorstände (Personal- bzw. Elternvorstand) im konkreten Fall mit einbezogen werden müssen unter Berücksichtigung des bestmöglichen Datenschutzes beteiligter Personen.

Durch Teilnahme an Fortbildungen und Arbeitskreistreffen erhalten die Teammitglieder ebenfalls neueste Informationen.

1.11.3. Zusammenarbeit mit der Erziehungsberatung

Bei Beratungsbedarf des Teams besteht die Möglichkeit, die Caritas Erziehungsberatungsstelle Hansastraße aufzusuchen. Insbesondere gibt es dort auch die „Insoweit erfahrene Fachkraft“ (Isofa), die schnell und unbürokratisch zur Seite steht, wenn bei einer Kindeswohlgefährdung die weitere Vorgehensweise beschlossen werden muss. Für das aktuelle Krippenjahr ist eine Teamfortbildung zu diesem Thema geplant.

1.12 Schaffung eines Integrationsplatzes

Seit dem Krippenjahr 2019/2020 bieten wir einen Einzel-Integrationsplatz in unserer Einrichtung an. Mit einem Jahr Vorlaufzeit wurden die Betreuerinnen, Vorstände und Eltern in den Prozess einbezogen, der mit einem ersten Vorgespräch im Herbst 2018 begann. Da den Eltern unsere Einrichtung bereits durch das ältere Geschwisterkind vertraut ist und die Betreuerinnen die Familie gut kannte, waren beide Seiten bereit, den neuen Schritt zu wagen.

1.12.1 Voraussetzungen für die Kindergruppe und das Team

Die Gruppenstärke beträgt nun mehr 13 Kinder statt wie bisher 15. Davon profitieren alle Kinder und Betreuerinnen, da eine intensive Beschäftigung mit wenigen Kindern besser gewährleistet ist. Von Anfang an hat das Team den Anspruch, dass das Integrationskind nach seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten am Gruppenalltag teilnimmt. Dies wird zum Beispiel durch eine geeignete Sitzschale, die auf unsere Tischhöhe angepasst ist, gewährleistet. Bei Spaziergängen steht ein Doppel-Buggy zur Verfügung, so dass es auch ein zweites Kind befördert werden kann. Im Gruppenraum wurde eine Ecke mit Bodenmatte geschaffen, die von allen Kindern in regulierter Anzahl genutzt werden kann so dass das Integrationskind auch von den Spielanreizen durch die anderen Kindern profitieren kann. Sehr wichtig ist der enge Austausch mit den Eltern und die individuell veranschlagte Betreuungszeit.

1.12.2 Voraussetzung für alle Eltern

In der Elterninitiative sind viele Aufgaben auf die Eltern verteilt. Insbesondere der Kochdienst, Wäschedienst und Elterndienst bei Personalmangel. Bei mehreren Treffen wurden Lösungen gesucht und gefunden, um die anfallenden Arbeiten möglichst gerecht auf alle Schultern zu verteilen.

1.12.3 Zusammenarbeit und Vernetzung

Bereits vor dem Start in der Kindergruppe wurde der Kontakt zur Frühförderstelle „Lebenshilfe München Kinder und Jugend GmbH“ hergestellt. Die Leitung hat unsere Einrichtung als sehr geeignet eingestuft. Einmal wöchentlich kommt eine Heilpädagogin für eine Stunde zu uns, etwa alle zwei Monate kommt eine Physiotherapeutin, die den Betreuerinnen Tipps gibt und Übungen zeigt, die die motorische Entwicklung fördern. Außerdem besteht auch Kontakt zum Blindeninstitut Abteilung Frühförderung. Es ist geplant, ca. vierteljährlich einen „Runden Tisch“ einzuberufen um Betreuerinnen, Eltern und o. g. Personen eine Möglichkeit des Austausches zu bieten.

2. Pädagogische Arbeit

2.1. Leitsatz

„Erzähle mir und ich vergesse, zeige mir und ich erinnere, lass es mich selber tun und ich verstehe!“ Konfuzius

2.2. Pädagogische Schwerpunkte und Ziele, Leitziel von Bildung

In einer familiären Atmosphäre möchten wir die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes fördern. Wir schaffen die Voraussetzungen zur Weiterentwicklung der Basiskompetenzen und die Begleitung von Entwicklungsprozessen. Wünsche und Bedürfnisse der Kinder stehen dabei im Mittelpunkt, die Zusammenarbeit mit den Eltern ist erwünscht und erforderlich!

Eine besondere Bedeutung kommt hierbei dem strukturierten Tagesablauf mit dem Schwerpunkt auf das Freispiel zu. Freispielzeit beinhaltet die Wahlmöglichkeiten Wo? Womit? Mit Wem? Wie lange? möchte das Kind spielen. Dabei halten sich die Bezugspersonen im Hintergrund und greifen zurückhaltend unterstützend ein. So können die Kinder vielseitige Erfahrungen sammeln wie z. B. Spielpartner/Freunde finden, Konflikte aushalten und lösen, Spiel- und Bastelmaterial kennenlernen und benutzen, Freude und Spaß erleben, Stärken und Schwierigkeiten entdecken und überwinden.

Als weiteren Schwerpunkt in unserer pädagogischen Arbeit mit den 1 – 3-jährigen Kindern sehen wir in der Gestaltung der Pflegesituationen im Alltag, wie z. B. Hände waschen, wickeln, Unterstützung beim Essen, selbständiger Toilettengang Ankleiden und Schuhe wechseln.

2.2.1. Ausbau der Basiskompetenzen / Definition

Basiskompetenzen sind grundlegende Fähigkeiten, die jedes Kind von Geburt an mitbringt und im Laufe seiner Entwicklung ausgebaut werden. Dies gelingt durch einfühlsame Interaktion mit Bezugspersonen, durch Vorbilder und eine alle Sinne anregende Umgebung. Die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse ist entscheidend

für das Wohlbefinden des Kindes und seiner Bereitschaft, sich seinen Aufgaben zu stellen und zu lernen:

  • Personale Kompetenz (ICH – mein Körper)
  • Soziale Kompetenz (ICH – die anderen)
  • Lernmethodische Kompetenz (Wissenserwerb und -anwendung)
  • Resilienz (Umgang mit Veränderung, Eingewöhnung, Übergang zum Kindergarten)

Die Kinder bringen in diesen Bereichen schon viele positive aber evtl. auch negative Erfahrungen mit. Die Eingewöhnung in die Kindergruppe ist für Kinder, Eltern und Bezugspersonen eine sehr große Herausforderung und muss von allen Beteiligten gemeistert werden. Wir lehnen uns hierbei an das „Berliner Modell“ an unter Berücksichtigung von spezifischen Gegebenheiten unserer Einrichtung. Im Vorfeld klären wir mit den Eltern an einem Kennenlernnachmittag die gegenseitigen Erwartungen im Gespräch. Außerdem steht der Eltern-Kind-Vorstand für Fragen telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung. Bei einem Elternabend im Juli, noch vor Eintritt des Kindes, gibt es noch einmal einen Überblick in organisatorischer Form und die Möglichkeit offene Fragen zu klären. Beim Sommerfest ist die Gelegenheit die anderen Panama-Familien kennenzulernen. Je sicherer und aufgeklärter sich die Eltern fühlen umso leichter fällt ihnen das „Loslassen“ des Kindes und das „Vertrauen fassen“ zu den Bezugspersonen in der Einrichtung.

„Eingewöhnung des Kindes“ ist sehr stark an das „Eingewöhnen der Eltern“ gekoppelt. Die Eltern müssen mit vier bis sechs Wochen Eingewöhnungszeit rechnen bis das Kind einen ganzen Tag inkl. Essen und Schlafen bei Panama bewältigt.

Wie verläuft die Eingewöhnung des Kindes in die Gruppe?

Wir nehmen wöchentlich ein neues Kind auf. Am Montag und am Dienstag kommt Mutter oder Vater für eine Stunde mit in die Gruppe. Erfahrungsgemäß ist es für die Kinder leichter morgens um 8:00 Uhr zu starten, wenn es noch ruhig ist. Eine Betreuerin kümmert sich um das Kind, durch fragen und beobachten lernt sie die Interessen des Kindes kennen. Um 8.50 Uhr werden diese beiden ersten Tage beendet, da nach dem Aufräumen das gemeinsame Frühstück beginnt. In Ausnahmefällen kann ein Beginn um 10:00 Uhr sinnvoll sein (Schlafrhythmus) und kann nach Absprache erfolgen. Am Mittwoch verlässt der Elternteil nach etwa 10 Minuten und verabschiedet sich mit dem Hinweis wie „einkaufen gehen“, bleibt am besten vor der Eingangstüre in unmittelbarer Rufbereitschaft, falls das Kind weint und sich nicht trösten lässt. Nach einer halben Stunde holt die Mutter oder der Vater das Kind im Gruppenraum wieder ab. Am Donnerstag und Freitag wird das Kind bereits an der Türe zum Gruppenraum übergeben. Am Montag der zweiten Woche werden nach dem Wochenende bewusst noch keine Steigerungen der Betreuungszeit durchgeführt. Je nachdem wie die ersten Tage verlaufen wird am Dienstag der zweiten Woche die Zeit verlängert. Wir möchten das dem Kind vor einer Verlängerung, mindestens zwei Tage zum Festigen eines Schrittes gewähren. Etwa in der dritten Woche findet das erste Mittagessen statt. Der Zeitpunkt für den ersten Mittagsschlaf wird mit den Eltern individuell abgesprochen, nach etwa vier Wochen, vorausgesetzt das Kind fühlt sich wohl und hat schon Vertrauen zu den Bezugspersonen gewonnen. Das Wohl des Kindes steht in der Abstufung der Eingewöhnung immer im Mittelpunkt, die Regelmäßigkeit schafft für das Kind die nötige Orientierung, nach längerer Krankheit während der Eingewöhnungsphase müssen Eltern und Bezugspersonen auch mit Rückschritten rechnen, so dass sich die 1-monatige Eingewöhnungsdauer als durchschnittlicher Erfahrungswert erweist und so im Sinne des Kindes verstanden werden muss!

Ein weiterer wichtiger Übergang ist der bevorstehende Eintritt in den Kindergarten. Durch einen „Schnupper-Besuch“ mit den Eltern erhalten die Kinder bereits einen kleinen Einblick. Für uns ist es wichtig, die Kinder positiv auf den Kindergarten- besuch einzustimmen. Wir unterstützen die Selbstständigkeit in lebenspraktischen Bereichen in Hinblick auf die Anforderungen im Kindergarten. Da die Kinder in verschiedene Einrichtungen wechseln, ist dies nur sehr allgemein möglich.

Gemeinsam feiern wir im Sommer ein großes Abschiedsfest und freuen uns auf Besuche von „Ehemaligen“ Kindern und Eltern und geben den Wunsch zum Kontakthalten weiter.

2.2.2. Themenbezogene Förderbereiche

Wir legen in der Kindergruppe großen Wert auf eine ganzheitliche Förderung der Kinder. Um die Weiterentwicklung von Fähigkeiten intellektueller, kreativer und motorischer Art zu fördern, gehören die Freispielzeit sowie gelenkte Angebote in den Tagesablauf. Die Feste im Jahreszyklus sind durch fortlaufende thematische Gruppenarbeiten und Vorbereitungen gekennzeichnet (Projektarbeit).

Die Bildungsbereiche umfassen:

  • sprachliche Bildung
  • Erlernen von lebenspraktischen Fertigkeiten
  • Gesundheitserziehung
  • Bewegungserziehung
  • mathematische und naturwissenschaftliche Bildung
  • schöpferische Gestaltung
  • musikalische Bildung

Uns ist die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen und ihre geschlechtsspezifischen Bedürfnisse ein großes Anliegen. So ist z. B. beim Freispiel den Kindern die Wahl des Spielorts oder -gegenstandes (Bauecke, Küche) überlassen. Wir vermeiden verallgemeinernde Wertungen („wilde Buben – brave Mädchen“).

Interkulturelle Erziehung ist bei uns allein schon durch die verschiedenen Nationen der Kinder gegeben. Immer wieder finden bei uns „Internationale Tage“ statt, die entweder von Eltern oder Mitarbeiterinnen aus einem anderen Kulturkreis gestaltet und durchgeführt werden. An diesen Tagen haben die Kinder die Möglichkeit andere Lebensformen, fremde Speisen und Sprachen kennen zu lernen.

Im Prozess der „Kinder-Mitbestimmung“ (Partizipation) sollen die Kinder lernen sich eine eigene Meinung zu bilden, sich zu äußern, Kompromisse zu finden und einzugehen, gemeinsame Entscheidungen zu treffen und zu tragen.

Das Kind gestaltet entsprechend seinem Entwicklungsstand seine Bildung von Anfang an aktiv mit. Hierbei nehmen wir die Kinder ernst und sie lernen gemeinsam mit den Erwachsenen auf persönlicher Ebene demokratisches Verhalten. Im Alltag bedeutet dies, dass wir Betreuer die Kinder beobachten, ihre Signale wahrnehmen um in angemessener Weise darauf zu reagieren, nicht nur verbal sondern auch in unseren Handlungen. Das Kind erkennt, dass sein Tun eine Folge hat und wird damit fortfahren, seine Meinung mit seinen Möglichkeiten auszudrücken. Selbständigkeit durch geeignetes Essgeschirr wird beispielsweise gefördert. Dies erhöht die Autonomie der Kinder und damit die Möglichkeit der Partizipation.

2.2.3. Begleitung von Entwicklungsprozessen

Auf Grund der Altersstruktur unserer Kinder (1-3jährige) befassen wir uns insbesondere mit zwei Entwicklungsprozessen:

  • Sprachentwicklung
  • Sauberkeitserziehung

Die Sprache bildet die Grundlage der Kommunikation mit anderen Menschen. Bereits Säuglinge nehmen über das Schreien Kontakt mit der Umwelt auf. Sprache beinhaltet unterschiedliche Mittel, wie z. B. Mimik, Gestik, Körperhaltung und Zeichensprache. Die Kinder benutzen ihren Körper als Ausdrucksmittel. Der Spracherwerb ist ein komplexer Prozess, in dessen Verlauf zahlreiche Entwicklungsschritte des Kindes eingebunden sind. Je intensiver das Kind seine Umwelt mit allen Sinnen entdecken kann, umso leichter kann es sie auch begrifflich einordnen und sprachlich über sie verfügen. Neben vielen Anregungen der Sinne sorgen wir für sprachanregende Anlässe und Situationen indem wir Handlungen sprachlich begleiten. Dies geschieht z. B. beim Wickeln und Anziehen, beim Basteln und Spielen. Finger-, Sing-, Rollenspiele, miteinander reden, Geschichten erzählen und Bilderbücher betrachten gehören zu den regelmäßigen Angeboten, die den Sprachprozess unterstützen.

Die Zeit des Sauberwerdens ist eine sehr sensible und wichtige Phase in der Entwicklung eines Kindes. Wir legen Wert darauf, dass dies einfühlsam ohne Zwang und mit viel Geduld geschieht. Erst zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr sind Kinder in der Lage, ihre Schließmuskeln bewusst zu kontrollieren. Der Entschluss zum „Sauber-werden“ sollte ausschließlich vom Kind kommen. Wir Betreuer beobachten die Entwicklungsschritte des Kindes und unterstützen das Kind, wenn es die ersten Signale sendet. Eine kleinkindgerechte Toilette in unserer Einrichtung ermöglicht den Kindern eine bequeme Nutzung. Mit den Eltern tauschen wir uns über die Fortschritte aus.

3. Schlusswort

Im Juli 2016 feierten wir unser „30-Jahre-PANAMA“ – Fest. Es waren alle ehemaligen Kinder, Eltern und Mitarbeiter herzlich eingeladen. Mit etwa 150 „Ehemaligen“ aus Nah und Fern durften wir einen sehr schönen Nachmittag verbringen. Der Kontakt, der oft noch über Jahre hinaus mit der Kindergruppe besteht und durch Besuche, Postkarten, e-mails und Telefonanrufe weiter gepflegt wird, bestätigt uns in unserem Anliegen, den Kindern eine liebevolle Betreuung in familiärer Atmosphäre zu bieten. Die Eltern, die uns weiterempfehlen und auch die Geschwisterkinder zu uns in die Gruppe geben, sind ein Beweis für ihre positiven Erfahrungen. Dies liegt mit Sicherheit auch an der Konstante der Betreuungspersonen und dem engen Kontakt der Familien untereinander.


München im September 2020

Kindergruppe Panama e.V

Christine Carlin (Pädagogische Leiterin)

Sebastian Scholz

(Vorstand Organisation)

–> Download des Pädagogischen Konzepts